Der falsche Umgang mit Preiseinwänden: So meistern Sie Preisverhandlungen im Möbel- und Küchenverkauf

Michael Renner, Verkaufstrainer bei der Kundenberatung im Küchenstudio

Preiseinwände im Möbel- und Küchenverkauf erfolgreich meistern

Erfahren Sie, wie Sie Preiseinwände im Möbel- und Küchenverkauf professionell begegnen und Ihre Abschlussquote ohne Rabattschlachten steigern.

Wenn der Kunde sagt: „Das ist mir zu teuer!“

Kennen Sie das? Sie haben ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem potenziellen Kunden geführt, die perfekte Küche oder das ideale Wohnzimmer geplant und dann kommt der gefürchtete Satz: „Das ist mir zu teuer!“ oder „Können Sie da noch etwas beim Preis machen?“.

In der aktuellen Marktsituation, geprägt von Kaufzurückhaltung und preisaggressiver Konkurrenz, gehören Preiseinwände zum Verkaufsalltag in der Einrichtungsbranche. Doch der Umgang mit ihnen entscheidet maßgeblich über Ihren wirtschaftlichen Erfolg.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche typischen Fehler Verkäufer bei Preiseinwänden machen und wie Sie stattdessen souverän reagieren können, ohne in die Rabattfalle zu tappen.

Die aktuelle Herausforderung im Möbel- und Küchenhandel

Die Einrichtungsbranche steht vor besonderen Herausforderungen:

  • Sinkende Besucherfrequenz in Möbel- und Küchenhäusern
  • Kaufzurückhaltung durch die Krise in der Baubranche
  • Preisaggressive Wettbewerber und Online-Konkurrenz
  • Vorgezogene Käufe während der Pandemie

Diese Faktoren führen dazu, dass Kunden preissensibler reagieren und häufiger Preisverhandlungen initiieren. Gleichzeitig müssen Sie als Händler Ihre Margen sichern, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.

Die 5 häufigsten Fehler im Umgang mit Preiseinwänden

1. Sofortiges Nachgeben und Rabattieren

Der klassische Reflex vieler Verkäufer: Kaum äußert der Kunde Bedenken zum Preis, werden Rabatte oder Sonderkonditionen angeboten. Dies signalisiert nicht nur Unsicherheit, sondern reduziert auch unmittelbar Ihre Marge.

Was stattdessen tun: Bleiben Sie zunächst ruhig und fragen Sie nach, was genau am Preis problematisch erscheint. Oft verbirgt sich hinter dem Preiseinwand ein anderes Problem.

2. Preisrechtfertigung durch Aufzählung technischer Details

„Wir verwenden nur hochwertige Materialien…“ – Technische Monologe überzeugen selten. Der Kunde kennt die technischen Details bereits aus der Beratung und sie allein rechtfertigen in seinen Augen nicht den Preis.

Was stattdessen tun: Sprechen Sie über den konkreten Nutzen und emotionalen Mehrwert für den Kunden. Was bedeutet die Qualität für seinen Alltag?

3. Vorschnelle Angebotsanpassung

Viele Verkäufer reagieren auf Preiseinwände, indem sie sofort Produkte aus dem Angebot streichen oder durch günstigere Alternativen ersetzen. Dies kann den Wert der Gesamtlösung für den Kunden verringern.

Was stattdessen tun: Halten Sie an der optimalen Lösung fest und zeigen Sie auf, warum gerade diese Zusammenstellung den Bedürfnissen des Kunden entspricht.

4. Fehlende Vorbereitung auf Preisverhandlungen

Wer unvorbereitet in Preisverhandlungen geht, wird überrumpelt. Ohne klare Strategie und definierte Grenzen geraten Verkäufer schnell in die Defensive.

Was stattdessen tun: Definieren Sie vorab Ihre Verhandlungsspielräume und alternative Wertangebote (z.B. Services statt Rabatte).

5. Mangelnde Überzeugung vom eigenen Preis-Leistungs-Verhältnis

Wenn Sie selbst nicht vollständig vom Wert Ihres Angebots überzeugt sind, spürt der Kunde das. Unsicherheit in Ihrer Kommunikation führt zu mehr Preisdruck.

Was stattdessen tun: Arbeiten Sie an Ihrer eigenen Überzeugung und Wertschätzung für Ihre Produkte. Nur wer selbst vom Wert überzeugt ist, kann andere überzeugen.

Professioneller Umgang mit Preiseinwänden – die 4-Schritte-Methode

Eine strukturierte Herangehensweise hilft Ihnen, souverän auf Preiseinwände zu reagieren:

1. Aktives Zuhören und Nachfragen

Wenn der Kunde sagt: „Das ist mir zu teuer“, fragen Sie konkret nach: „Was genau erscheint Ihnen zu teuer?“ oder „Im Vergleich wozu finden Sie unser Angebot teuer?“

Oft zeigt sich, dass nicht der Gesamtpreis das Problem ist, sondern ein bestimmter Aspekt oder der Kunde hat unrealistische Preisvorstellungen aufgrund mangelnder Marktkenntnis.

2. Wertdarstellung statt Preisrechtfertigung

Stellen Sie den Wert Ihres Angebots in den Mittelpunkt:

  • Langfristige Vorteile (Haltbarkeit, Zeitersparnis, Komfort)
  • Emotionale Aspekte (Stolz, Wohlbefinden, Anerkennung durch Gäste)
  • Konkrete Alltagsverbesserungen durch spezifische Funktionen

Beispiel: „Diese Küche wird Sie die nächsten 15-20 Jahre begleiten. Pro Tag gerechnet investieren Sie nur wenige Euro in Lebensqualität und Funktionalität.“

3. Alternativen anbieten ohne Wert zu reduzieren

Wenn der Preis wirklich ein Hindernis darstellt, bieten Sie durchdachte Alternativen:

  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Stufenweise Umsetzung (Basis jetzt, Erweiterungen später)
  • Alternative Materialien bei gleichbleibender Funktionalität
  • Zusätzliche Serviceleistungen statt Rabatte

4. Selbstbewusster Abschluss

Führen Sie das Gespräch aktiv zum Abschluss, nachdem Sie den Wert verdeutlicht haben:

„Wenn wir diesen Punkt geklärt haben, steht einer Umsetzung nichts mehr im Weg, richtig?“

„Was benötigen Sie noch, um sich für diese optimale Lösung zu entscheiden?“

Wirtschaftspsychologische Hintergründe von Preiseinwänden

Preiseinwände sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Oft verbergen sich dahinter:

  • Unsicherheit über die Kaufentscheidung
  • Fehlende Überzeugung vom Mehrwert
  • Der Wunsch, ein „gutes Geschäft“ gemacht zu haben
  • Angst vor Kritik durch Partner oder Familie
  • Testballon, um die Verhandlungsbereitschaft zu prüfen

Das Verständnis dieser Hintergründe hilft Ihnen, angemessen zu reagieren und nicht reflexartig den Preis zu reduzieren.

Konkrete Formulierungshilfen für die Praxis

Statt: „Ich kann Ihnen nochmal 10% Rabatt anbieten.“
Besser: „Was genau erscheint Ihnen an unserem Angebot zu teuer?“

Statt: „Wir könnten auf die Qualitätsschubladen verzichten.“
Besser: „Diese Schubladen werden Sie täglich nutzen, sie sind ein wesentlicher Bestandteil Ihres Küchenkomforts.“

Statt: „Bei der Konkurrenz bekommen Sie das sicher günstiger.“
Besser: „Wir haben unser Angebot so kalkuliert, dass wir Qualität, Service und langfristige Zufriedenheit garantieren können.“

Statt: „Ich spreche mal mit meinem Chef, was wir tun können.“
Besser: „Lassen Sie uns gemeinsam schauen, welche Aspekte für Sie besonders wichtig sind und wo wir eventuell ansetzen können.“

Langfristige Strategien zur Reduzierung von Preisdiskussionen

Um Preiseinwände grundsätzlich zu reduzieren, sollten Sie an diesen Stellschrauben drehen:

  • Frühzeitige Wertverankerung: Sprechen Sie von Anfang an über Wert, Nutzen und Qualität, nicht nur über Preise und Kosten.
  • Bedarfsanalyse vertiefen: Je besser Sie die wahren Bedürfnisse verstehen, desto zielgerichteter ist Ihr Angebot.
  • Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten: Machen Sie deutlich, warum Ihr Angebot einzigartig ist.
  • Verkäufer schulen: Investieren Sie in die Preisverhandlungskompetenz Ihres Teams.
  • Kundenfeedback nutzen: Lernen Sie aus erfolgreichen Verkaufsgesprächen.

Fazit: Preiseinwände als Chance begreifen

Preiseinwände gehören zum Verkaufsalltag in der Einrichtungsbranche, besonders in herausfordernden Marktphasen. Der professionelle Umgang mit ihnen unterscheidet erfolgreiche von weniger erfolgreichen Verkäufern und Unternehmen.

Sehen Sie Preiseinwände nicht als Hindernis, sondern als Chance, tiefer in die Bedürfnisse und Beweggründe Ihrer Kunden einzutauchen. Mit den vorgestellten Strategien können Sie souverän reagieren und Ihre Abschlussquote sowie Marge deutlich verbessern, ohne in Rabattschlachten zu verfallen.

Investieren Sie in die Preisverhandlungskompetenz Ihres Teams, denn hier liegt ein enormes Potenzial zur Steigerung Ihrer Wirtschaftlichkeit. Professionell geführte Preisgespräche führen zu höherer Kundenzufriedenheit, besseren Margen und langfristigem Unternehmenserfolg.

Häufig gestellte Fragen zu Preiseinwänden

1. Wie erkenne ich, ob ein Preiseinwand echt oder nur ein Verhandlungstaktik ist?

Achten Sie auf Körpersprache, Tonfall und den Zeitpunkt des Einwands. Echte Preisbedenken werden meist detaillierter formuliert und tauchen nach gründlicher Betrachtung des Angebots auf. Taktische Einwände kommen oft pauschal und früh im Gespräch.

2. Sollte ich Preise von vornherein höher ansetzen, um Verhandlungsspielraum zu haben?

Nein. Diese Strategie untergräbt langfristig Ihr Vertrauen und Ihre Glaubwürdigkeit. Setzen Sie faire Preise an, die Sie mit Überzeugung vertreten können.

3. Wie gehe ich mit Kunden um, die mit Angeboten der Konkurrenz argumentieren?

Fragen Sie nach Details des Vergleichsangebots. Oft zeigt sich, dass es nicht vergleichbar ist. Betonen Sie dann Ihre Alleinstellungsmerkmale und den spezifischen Mehrwert Ihres Angebots für genau diesen Kunden.

4. Wie viel Preisnachlass ist akzeptabel, ohne die Marge zu gefährden?

Dies hängt von Ihrer Kalkulation ab. Definieren Sie vorab klare Grenzen und alternative Wertangebote. Wichtig ist: Rabatte sollten immer die Ausnahme bleiben und an konkrete Bedingungen geknüpft sein.

5. Wie trainiere ich mein Verkaufsteam im Umgang mit Preiseinwänden?

Rollenspiele, Fallstudien und regelmäßiges Feedback sind effektive Methoden. Auch die Analyse erfolgreicher Verkaufsgespräche und der Austausch im Team über Best Practices helfen. Professionelle Verkaufsschulungen mit Branchenfokus bieten zusätzliche Impulse.

Möchten Sie Ihr Team im professionellen Umgang mit Preiseinwänden schulen? In unserem kostenlosen Strategiegespräch analysieren wir Ihre aktuelle Situation und zeigen Ihnen, wie Sie die Abschöpfungsquote um bis zu 30% steigern können, ohne zusätzliche Marketingkosten. 

Teile diesen Beitrag