Irrglaube: Warum Provisionen allein nicht zu mehr Abschlüssen führen

Michael Renner, Vertriebsexperte für den Möbel- und Küchenhandel

Die verborgenen Erfolgsfaktoren im Küchen- und Möbelverkauf

In Zeiten sinkender Besucherfrequenzen und veränderter Kaufgewohnheiten greifen viele Geschäftsführer im Küchen- und Möbelhandel zu einem vermeintlich bewährten Instrument: höhere Provisionen für Verkäufer. Doch warum führt dieser Ansatz häufig nicht zum gewünschten Erfolg? Und welche Alternativen gibt es, die nachhaltig wirken?

In diesem Artikel beleuchten wir, warum finanzielle Anreize allein nicht ausreichen, um die Vertriebsleistung zu steigern, und welche Faktoren tatsächlich zu mehr Abschlüssen und höherer Abschöpfung führen, ohne zusätzliche Marketingkosten.

Die Grenzen der klassischen Provisionsmodelle

Der Irrtum der reinen Motivationssteigerung

Die Annahme klingt zunächst logisch: Wer mehr verdienen kann, wird härter arbeiten und mehr verkaufen. Doch die Realität im Küchen- und Möbelhandel zeigt ein differenzierteres Bild. Höhere Provisionen können zwar kurzfristig zu mehr Aktivität führen, doch ohne die richtigen Rahmenbedingungen verpufft dieser Effekt schnell.

Die Herausforderungen liegen tiefer:

  • Verkäufer stoßen an Kompetenzgrenzen, nicht an Motivationsgrenzen
  • Veränderte Kundenerwartungen erfordern neue Verkaufsstrategien
  • Fehlende Prozessoptimierung im Verkauf limitiert den Erfolg
  • Psychologische Faktoren im Verkaufsgespräch werden unterschätzt

Was die Wissenschaft dazu sagt

Zahlreiche Studien zur Arbeitspsychologie belegen: Extrinsische Motivation durch finanzielle Anreize hat ihre Grenzen. Daniel Pink beschreibt in seinem Werk „Drive“, dass bei komplexen Aufgaben wie z.B. dem Verkauf hochwertiger Einrichtungsgegenstände drei andere Faktoren entscheidender sind:

  • Autonomie / Selbstbestimmung im Verkaufsprozess
  • Kompetenz / kontinuierliche Weiterentwicklung der Fähigkeiten
  • Sinnhaftigkeit / Identifikation mit Produkten und Unternehmenswerten

Die wahren Erfolgsfaktoren im modernen Verkauf

Kompetenzentwicklung statt reiner Anreizsteigerung

In der aktuellen Marktsituation mit anspruchsvolleren, vorinformierten Kunden und erhöhtem Wettbewerbsdruck sind andere Faktoren entscheidend für den Verkaufserfolg:

  • Aktuelle Verkaufsmethodik: Moderne Verkaufsgespräche folgen anderen Regeln als noch vor wenigen Jahren, hier wurden vielerorts nur „Bestellungen entgegengenommen“
  • Psychologisches Verständnis: Entscheidungsprozesse der Kunden verstehen und begleiten
  • Prozessoptimierung: Strukturierte Verkaufsprozesse von der Erstansprache bis zur Nachbetreuung
  • Digitale Kompetenz: Integration digitaler Tools in den Verkaufsprozess

Der Unterschied zwischen Motivation und Befähigung

Ein motivierter, aber nicht optimal ausgebildeter Möbel- oder Küchenverkäufer wird trotz höchster Provisionen an seine Grenzen stoßen. Besonders deutlich wird dies an folgenden Punkten im Verkaufsprozess:

  • Einwandbehandlung: Wie reagiert der Verkäufer auf Preiseinwände?
  • Bedarfsanalyse: Werden die wirklichen Bedürfnisse des Kunden erkannt?
  • Abschlusstechniken: Kennt der Verkäufer verschiedene, situativ passende Techniken?
  • Nachverfolgung: Wie professionell ist das Nachfassen bei unentschlossenen Kunden?

Wirtschaftspsychologische Optimierung des Verkaufsprozesses

Die Bedeutung des Kundenerlebnisses

In der Einrichtungsbranche entscheiden nicht nur Produkt und Preis, sondern vor allem das Erlebnis während des Kaufprozesses. Kunden, die sich verstanden und gut beraten fühlen, sind:

  • Bereit, mehr zu investieren (höherer Warenkorb)
  • Weniger preissensibel bei Einwänden (mehr DB)
  • Loyaler und empfehlen weiter (organische Neukundengewinnung)
  • Schneller in der Entscheidungsfindung (kürzere Verkaufszyklen)

Praktische Ansätze zur Optimierung

Statt einfach die Provisionen zu erhöhen, setzen erfolgreiche Küchen- und Möbelhäuser auf eine systematische Optimierung:

Analyse der aktuellen Verkaufsprozesse:

  • Wo genau entstehen Abbrüche im Verkaufsgespräch?
  • Welche Einwände führen am häufigsten zum Nichtkauf?
  • Wie hoch ist die Rückgewinnungsquote bei Interessenten?

Gezielte Kompetenzentwicklung:

  • Regelmäßige, praxisnahe Schulungen zu aktuellen Verkaufstechniken
  • Individuelles Coaching basierend auf persönlichen Entwicklungsfeldern
  • Vermittlung wirtschaftspsychologischer Grundlagen für Verkaufsgespräche

Prozessoptimierung:

  • Strukturierte Gesprächsleitfäden für verschiedene Kundensituationen
  • Systematisches Nachfassen bei unentschiedenen Interessenten
  • Verbessertes Übergangsmanagement zwischen Beratung und Planung

Führungskräfteentwicklung als Schlüsselfaktor

Die unterschätzte Rolle der Verkaufsleitung

Selbst die besten Möbel- und Küchenverkäufer brauchen eine kompetente Führung, die mehr bietet als nur Kontrolle der Zahlen. Moderne Verkaufsleitung bedeutet:

  • Coaching statt Kontrolle
  • Entwicklung statt Druck
  • Befähigung statt bloßer Zielvorgaben
  • 2. Gesicht gerade wenn der Kunde nicht kaufen kann

Praktische Führungstools für mehr Verkaufserfolg

Erfolgreiche Führungskräfte im Küchen- und Möbelhandel setzen auf:

  • Regelmäßige, strukturierte Verkaufsgespräche mit dem Team
  • Individuelle Entwicklungspläne für jeden Verkäufer
  • Gemeinsame Analyse von erfolgreichen und nicht erfolgreichen Verkaufsgesprächen
  • Klare Kommunikation von Erwartungen und Zielen

Erfolgsbeispiele aus der Praxis

Die Wirksamkeit eines ganzheitlichen Ansatzes statt reiner Provisionserhöhung zeigt sich in konkreten Ergebnissen:

  • Steigerung der Abschöpfungsquote im Küchenverkauf um über 30%
  • Bis zu 36% mehr Umsatz gegenüber dem Vorjahr
  • 19% Rückgewinnung bereits „abgesagter Angebote“ durch systematisches telefonisches Nachfassen
  • Deutlich mehr Sicherheit und Qualität in Verkaufsgesprächen

Praktische Schritte zur Umsetzung

Wenn Sie die Verkaufsleistung in Ihrem Küchen- oder Möbelhaus nachhaltig steigern möchten, empfehlen wir folgende Schritte:

  • Bestandsaufnahme: Analysieren Sie Ihre aktuellen Verkaufsprozesse und identifizieren Sie die tatsächlichen Engpässe.
  • Kompetenzcheck: Ermitteln Sie den Schulungsbedarf Ihrer Verkäufer in den Bereichen moderne Verkaufstechniken, Einwandbehandlung und Abschlusstechniken.
  • Führungskräfteentwicklung: Investieren Sie in die Weiterbildung Ihrer Verkaufsleitung, damit diese vom Kontrolleur zum Coach wird.
  • Prozessoptimierung: Entwickeln Sie klare, strukturierte Verkaufsprozesse vom Erstkontakt bis zur Nachbetreuung.
  • Begleitung der Umsetzung: Sorgen Sie für eine nachhaltige Implementierung durch regelmäßiges Coaching und Feedback.

Häufig gestellte Fragen

1. Sind Provisionen generell unwirksam im Möbel- und Küchenverkauf?

Nein, Provisionen können durchaus motivierend wirken. Sie sollten jedoch Teil eines umfassenden Systems sein, das auch Kompetenzentwicklung, optimierte Prozesse und gute Führung umfasst. Die richtige Balance zwischen Grundgehalt und leistungsbezogenen Komponenten ist entscheidend.

2. Wie lange dauert es, bis Maßnahmen zur Verkaufsoptimierung Wirkung zeigen?

Erste Verbesserungen sind oft bereits nach 4–6 Wochen messbar, insbesondere bei der Gesprächsqualität und dem Umgang mit Einwänden. Die volle Wirkung auf Kennzahlen wie Abschlussquote und Abschöpfung entfaltet sich typischerweise innerhalb von 3–6 Monaten.

3. Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Verkaufsoptimierung?

Digitale Tools können den Verkaufsprozess erheblich unterstützen, von der Visualisierung über die Angebotserstellung bis zum systematischen Nachfassen. Entscheidend ist, dass die Technik den persönlichen Kontakt ergänzt, nicht ersetzt. Verkäufer müssen geschult werden, digitale Werkzeuge gewinnbringend in den Verkaufsprozess zu integrieren.

4. Was tun, wenn einzelne Verkäufer sich gegen Veränderungen sperren?

Widerstand gegen Veränderungen ist normal und menschlich. Wichtig ist, die Gründe zu verstehen und individuell darauf einzugehen. Oft hilft es, frühe Erfolge sichtbar zu machen und die Vorteile für den einzelnen Verkäufer klar zu kommunizieren. In manchen Fällen kann auch ein individuelles Coaching helfen, Blockaden zu überwinden.

5. Wie lässt sich der Erfolg von Verkaufsoptimierungsmaßnahmen messen?

Neben den offensichtlichen Kennzahlen wie Umsatz, Abschlussquote und Abschöpfung sollten auch qualitative Faktoren wie Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit und die Qualität der Verkaufsgespräche betrachtet werden. Ein ausgewogenes Kennzahlensystem gibt ein vollständigeres Bild des Fortschritts.

Fazit: Der ganzheitliche Ansatz führt zum Erfolg

Die Steigerung der Vertriebsleistung im Küchen- und Möbelhandel gelingt nicht durch isolierte Maßnahmen wie höhere Provisionen. Vielmehr ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der Kompetenzentwicklung, Prozessoptimierung und Führungskräfteentwicklung verbindet.

In einem herausfordernden Marktumfeld mit verändertem Kaufverhalten, sinkender Frequenz und starkem Wettbewerb sind es die Möbel- und Küchenhändler, die in die Qualität ihrer Verkaufsprozesse und Menschen investieren, die langfristig erfolgreich sein werden.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Methoden und einer systematischen Herangehensweise lassen sich auch in schwierigen Zeiten beeindruckende Ergebnisse erzielen, ganz ohne zusätzliche Marketingkosten.

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